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„Herrschaft des Gesindels“



IRAN Der Oppositionelle Houshang Asadi sieht keine Zukunft für den„Gottesstaat“

Houshang Asadi hat Folter und Gefängnis unter dem Schah und im islamischen Gottesstaat erlebt. Er musste seine Exkremente essen und wie ein Hund bellen. Aber er kämpft ungebeugt für Menschenrechte und Freiheit in seiner Heimat Iran. Am heutigen Samstag nimmt der im Pariser Exil lebende Oppositionelle in Mainz an einer Mahnwache der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) fürdie Inhaftierten in den Mullah-Gefängnissen teil.

Von einem Ein-Mann-Gericht in nur sechs Minuten zum Tode verurteilt und in der Haft gefoltert: Houshang Asadi.	Foto: Wita/Müller

Beim Redaktionsgespräch im Kurier bittet der Schriftsteller und frühere stellvertretende Herausgeber der Zeitung „Kayhan“ darum, den politischen Druck auf Teheran nicht nur in puncto Atomprogramm aufrechtzuerhalten, sondern auch im Blick auf die weiterhin furchtbare Menschenrechtssituation. Asadi und sein IGFM-Begleiter Daniel Holler sind froh, dass sich in Deutschland zahlreiche Politiker aus allen Parteien zu Patenschaften für gefangene Regimekritiker bereitgefunden haben, darunter die Wiesbadener Bundesfamilienministerin Kristina Schröder oder die alte und neue Saar-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Grausam und ermutigend

Was Asadi erzählt, klingt grausam, beeindruckend und ermutigend zugleich. Der junge Linksoppositionelle saß im Schah-Gefängnis mit dem heutigen geistlichen Führer Ali Khamenei in einer Zelle. Die damals hilfsbereite Solidarität unter Verfolgten schützte ihn nicht vor erneuter Inhaftierung nach der Khomeini-Revolution.

Und er hat inzwischen gelernt, dass die Menschenrechtsverletzungen eines „modernen Despoten“ noch steigerungsfähig sind in einem religiös-ideologischen System: „Der Schah wollte effektiv und rational die Opposition ausschalten. Die gegen angebliche Gottesfeinde aufgehetzten Folterknechte des neuen Regimes wollen den Menschen brechen“. Das bedeutete für ihn: sinnlose Fragen, sinnlose Qualen, sinnlose „Geständnisse“. So sollte Asadi für Sowjets und Briten gleichermaßen spioniert haben. Der „Prozess“ vor einem einzigen Geistlichen als Richter dauerte gerade einmal sechs Minuten. Das Urteil lautete auf Tod durch den Strang, später umgewandelt in 15 Jahre Haft, von denen Asadi sechs Jahre absitzen musste.

Briefe an den Folterer

Der mehrfach preisgekrönte Autor hat sich in seinen Memoiren „Briefe an meinen Folterer“ die Erfahrungen von der Seele geschrieben und zugleich die Brutalität entlarvt, mit der die Mullahs auch heute noch ihre Macht erhalten. Seinem Quälgeist „Bruder Hamid“, der mit einem Botschafterposten für seine Dienste entlohnt wurde, ist er bereit zu vergeben, aber für einen Sturz der „Herrschaft des Gesindels“ durch demokratische Wahlen kämpft er, unter anderem mit seiner Webseite „roozonline.com“.

Asadis Kontakte in den Iran machen ihm Hoffnung für den, wenn auch nicht kurzfristigen, Wandel: „Die Millionen, die vor drei Jahren gegen das Regime auf die Straße gingen, sind nicht weg. Sie bleiben wegen der Verfolgung nur im Moment zu Hause.“ Die meisten Leute seien den Gottesstaat leid.

Dass sein früherer Zellengenosse Khamenei das Atomprogramm aufgibt, glaubt der Exiliraner indes nicht. „Er trickst nur mit Zugeständnissen.“ Aber was die Kriegsgefahr anbelangt, sagt Asadi auch: „Die Führer Irans sind Fundamentalisten, verrückt sind sie nicht, wie manche im Westen glauben.“ Nach allem Leid ist er sichin einem Punkt sicher: „Ich werde mein Land irgendwann wiedersehen.

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